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Ob und wie das idyllisch am Saalehang gelegene Dobis für die Alten Wettiner von Bedeutung gewesen ist, lässt sich nicht rekonstruieren. Name und Anlage in Form eines Rundlings lassen vermuten, dass es sich um eine slawische Neusiedlung des Mittelalters handelt. Vom 15. bis 20. Jahrhundert wurde rund um den Ort intensiv Kohle und Kupferschiefer abgebaut. Heute ist Dobis eine lebendige Künstlerkolonie.


Schon von Weitem weist die Johanniskirche den Weg ins beschauliche Dobis. Die Entstehungszeit des hoch auf einem Hügel mitten im Ort thronenden Gotteshauses ist nicht dokumentiert. Aus Bruchsteinen errichtet, weisen ihre ältesten Bauteile aber auf die Zeit der Spätromanik hin, also etwa im 13. Jahrhundert. Im 15. Jahrhundert wurde sie nach Osten hin erweitert, später mehrfach umgebaut. Mit der kleinsten der drei Glocken blieb zugleich eines der ältesten Stücke des Gotteshauses aus dem 13. Jahrhundert erhalten.

Zwar deutet der älteste Teil der Kirche darauf hin, dass das Dorf bereits im 13. Jahrhundert existiert haben muss, erstmals urkundlich erwähnt wurde „Dobitz“ aber erst 1371 als Besitz der Familie von Hacke. Deren Angehörige wurden im 13. Jahrhundert als Ministerialen Albrechts II. von Meißen erwähnt, einem Nachfahren von Konrad dem Großen. Dessen Stammburg Wettin befand sich zu jener Zeit aber bereits mit den zugehörigen Ländereien im Besitz des Erzbistums Magdeburg.

Die Anlage des ursprünglichen Rundlingsdorfes ist bis heute südlich der Kirche erhalten geblieben und als Flächendenkmal geschützt. Rund um die stattliche Stieleiche und den Bauernstein, die einstige Gerichtsstätte, blieben viele sehenswerte historische Gebäude erhalten. Darunter ein Herrenhaus aus dem frühen 19. Jahrhundert, eine etwa zur selben Zeit entstandene geschlossene Hofanlage aus rotem Sandstein sowie das heutige Dorfgemeinschaftshaus in einem ehemaligen Gasthaus. Nach 1989 entdeckten viele Künstler und Kunsthandwerker das idyllische Dorf für sich und sanierten die historischen Bauwerke.

Ab etwa 1400 hatte sich im Bereich der heutigen Stadt Wettin-Löbejün der Steinkohlenbergbau entwickelt. Er beeinflusste auch die Entwicklung von Dobis und des benachbarten Dößel stark. Seit 1680 gehörten beide Orte zu Preußen. In der Folge wurde die Förderung des begehrten Rohstoffes intensiviert, es entstanden neue Schächte. 1872 war das Maximum mit über 32.000 Tonnen erreicht, etwa 20 Jahre später waren die Flöze erschöpft. Schon zu Beginn des 19. Jahrhunderts war der Abbau von Kupferschiefer aufgegeben worden. Ein thematischer Wanderweg erschließt die Geschichte der Montanregion rund um Dobis und Dößel.

Infos

Dorfkirche in Dobis, An der Johanniskirche, 06193 Wettin-Löbejün

Mehr zu Dobis und Dößel unter www.doessel-dobis.de

Sehenswertes in der Umgebung

Weiße Wand Das geologische Highlight liegt etwas versteckt hinter einigen Häusern, ermöglicht aber tiefe Einblicke in die Erdgeschichte. Die Auffaltung zeigt einen Abschnitt verschiedener Gesteinsarten, die über eine sehr lange Zeit entstanden sind. Die ältesten zählen über 320 Millionen Jahre. Vom Gipfel der Weißen Wand eröffnet sich Besuchern ein Panoramablick über das Saaletal bis ins Mansfelder Land hinein.

Ateliers Sie arbeiten mit Ton, Papier, Metall oder anderen Materialien, gestalten oder malen. Viele Künstlerinnen und Künstler aus Dobis öffnen ihre Ateliers für Gäste zu besonderen Veranstaltungen oder auf Anfrage. Infos unter www.kunstdorf-dobis.de

Naturlehrpfad Dobis liegt mitten in einem Naturschutzgebiet. Entlang eines Naturlehrpfads informieren Schautafeln über Landschaft, Flora und Fauna.

Dößel Das auf der Hochebene hinter der Saale gelegene Dorf hat sich bis heute seinen bäuerlichen Charakter erhalten. Neben dem großen historischen Gutshof sind das alte Pfarrhaus, die Schule und weitere Hofanlagen sehenswert. Wichtigstes Baudenkmal ist die im Kern romanische Dorfkirche. Unter dem Tonnengewölbe befindet sich heute eine barocke Empore. Ein thematischer Wanderweg erschließt die Geschichte der Montanregion rund um Dößel und Dobis, wo bis zum 19. Jahrhundert Steinkohle und Kupferschiefer abgebaut wurden.

Hättet Ihr’s gewusst?

Die „Weiße Wand“ hat schon so einiges mitgemacht: Mit ihren über 320 Millionen Jahren ist sie steinalt. Mal befand sie sich auf dem Meeresgrund, mal in der Wüste, mal mitten in einem Vulkanausbruch – und das alles am selben Ort! In den 100 Millionen Jahren ihres Entstehens haben sich ganz verschiedene Stoffe abgelagert und wurden unglaublich stark zusammengepresst. So könnt Ihr heute in Ihr wie in einem Buch lesen und erfahren, welche Schicht zu welcher Zeit aus welchem Material entstanden ist.

Konrad sagt…
Konrad

„Im Sommer komme ich besonders gerne nach Dobis. Dann reift hier der Spilling. Diese uralte Pflaumensorte findet man sonst kaum noch irgendwo. Die gelb-grünen Früchte schmecken einfach fantastisch. Schön, dass sich in Dobis sogar ein Verein dem Erhalt der alten Sorte widmet.“