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Die genauen Ursprünge der Kirche St. Anna und Katharina liegen im Dunkeln. Wohl Ende des 12. Jahrhunderts zur Christianisierung der slawischen Bewohner in der Umgebung von Landsberg errichtet, erhielt das Gotteshaus durch Umbauten bis zum 19. Jahrhundert sein heutiges Aussehen. Das nach dem Zweiten Weltkrieg verwahrloste Bauwerk erlebt seit der Jahrtausendwende als „Kulturkirche“ eine neue Blüte.

Das 1287 erstmals urkundlich erwähnte „Chutiz“ war eine von zahlreichen kleinen slawischen Siedlungen, die damals noch im Alten Wettiner Land bestanden. Unmittelbar vor den Toren der bedeutenden Residenz Landsberg gelegen, wurde es von einem Ministerialen der Wettiner verwaltet und diente wohl zur Versorgung der wettinischen Burg.

Vermutlich schon gut 100 Jahre zuvor war unter Markgraf Dedo III. mitten in der Slawenfestung ein christliches Gotteshaus errichtet und dem Augustinerchorherrenstift auf dem Petersberg übertragen worden. Wie schon sein Vater Konrad der Große und seine Brüder, die Markgrafen Otto der Reiche und Dietrich II., betrieb Dedo einen intensiven Landesausbau. Dabei spielten die Christianisierung der ansässigen sorbischen Bevölkerung und die Ansiedlung deutschsprachiger Siedler eine bedeutende Rolle.

Aus der Zeit der Spätromanik stammt der Westturm der Kirche, an dessen unverputzter Fassade die Verwendung von Porphyrsteinen aus lokaler Herkunft gut erkennbar ist. Auch das auffällige Türbogenfeld mit seinem von zwei Lilien flankierten Wiederkreuz datiert aus dieser Zeit. Im 15. Jahrhundert wurde die Kirche um den spätgotischen Chor erweitert. Ab 1777 erfolgten Umbauten im Stil des Barocks, bei denen unter anderem das Kirchenschiff um das heutige Tonnengewölbe erhöht wurde. Im 19. Jahrhundert wurde der Turm um das neobarocke Glockengeschoss und den neogotischen Reiter erweitert. Bis heute blieb eine Glocke von 1488 erhalten.

Nach 1945 verfiel die Gützer Kirche zusehends und wurde Opfer von Vandalismus und Raub. Seit 1992 begann die schrittweise Sanierung des Gotteshauses sowie des benachbarten Friedhofes. Die Fenster wurden 2013 vom bekannten Künstler Markus Lüpertz geschaffen. Er ergänzte sieben noch erhaltene Überbleibsel aus dem 19. Jahrhundert um Vitragen in seinem eigenen Stil: Mit Vergröberungen und Übertreibungen will der 1941 geborene Künstler bewusst provozieren und zum Nachdenken anregen. Neben den Ansichten der Reformatoren Martin Luther und Philipp Melanchthon sowie von Jesus Christus entstanden dabei mit „Der Wegschauer“ und „Der Wiederaufbauer“ zwei gänzlich neue Fenster.

Heute empfängt das liebevoll restaurierte Gebäude als „Kulturkirche“ Gäste zu ganz verschiedenen Veranstaltungen – vom weihnachtlichen Gottesdienst über Kunstausstellungen, Diskussionsabende und Konzerte bis zu gemütlichen Gesprächsrunden im Grünen. Eine kleine Ausstellung im Turm informiert über die wechselvolle Geschichte des Gebäudes.


Infos

Kulturkirche Gütz, Florian-Geyer-Straße, 06188 Landsberg, www.kulturkircheguetz.de
Öffnungszeiten: Di 9-12 und 13-18, Do-Sa 13-18, So 10-18 Uhr
Getränke und Snacks vor Ort. Eine öffentliche E-Bike-Ladestation befindet sich neben der Kirche.

Sehenswertes in der Umgebung

Pilitzer Teufelsstein Der auffällige Menhir-artige Porphyrfels steht im Ortsteil Pilitz. Mit ihm sind mehrere Sagen verbunden, nach denen der Teufel einst mit einem mächtigen Steinwurf den Bau der Landsberger Doppelkapelle zerstören wollte, was ein Augustinermönch noch im letzten Moment verhindern konnte.

Rasenlabyrinth Die Anlage auf dem Gützer Berg wurde 1939 vom Lehrer Bernhard Brühl und seinen Schülern geschaffen. Nach dem Vorbild des Schwedenrings von Steigra bei Merseburg steht das Labyrinth wohl symbolisch für Pilgerfahrten und den Weg der Seele zur Erlösung. Bereits im 19. Jahrhundert waren dort mehrere steinzeitliche Gräber gefunden worden.

Porphyrkuppenlandschaft Die Umgebung der drei Porphyrkuppen Gützer Berg, Pfarr- und Spitzberg ist heute ein Landschaftsschutzgebiet. Der geflutete Steinbruch am Gützer Berg wird vom Tauchclub Delphin Halle als Tauchbasis genutzt.

Hättet Ihr’s gewusst?

Auf der Grünfläche hinter der Kulturkirche wurde von ehrenamtlichen Helfern des Fördervereins ein Hotel gebaut. Es handelt sich um ein Insektenhotel aus Holz mit vielen kleinen Röhren. Die Übernachtung dort ist kostenlos und wird in der Regel gleich für ein ganzes Jahr gebucht. In so einem Insektenhotel finden Wildbienen einen geschützten Nistplatz.

Konrad sagt…

Konrad

„Wir Wettiner hielten es schon immer gut mit der Kirche. Ohne deren Unterstützung hätten wir den Ausbau unserer Lande nie so schnell und erfolgreich durchführen können.“